Wozu noch Newsletter? Der Anfang vom Ende…

Wie sich mittlerweile schon herumgesprochen hat, hat Dr. Web seinen Newsletter beim Jahreswechsel eingestellt. Eine überraschende Aktion, mit der ich und die meisten User sicherlich nicht gerechnet hätte, ausgerechnet der - aber womöglich zur rechten Zeit. Denn - auch ich bzw. wir versenden bei einigen unserer Projekte Newsletter an eine größere Anzahl an Empfängern. Und die Aussendung des Letzten hat gezeigt, dass nur etwa ~10% der User ihn geöffnet bzw. dann auch die Webseite besuchten - die Relevanz dabei. Als ich mich durch die Statistiken klickte, keimte ihn mir der Gedanke auf, ob man nicht komplett darauf verzichten und sich gleich von vornherein nach Alternativen umschauen sollte…

saforge_newsletter
Mal ehrlich, vor ein paar Jahren waren Newsletter noch etwas Exklusives, nicht jeder hatte sie (da gab es ja noch kein RSS und tausende und mehr Blogs und Social-Communities, Online- Telefonie,… so wie heute), der Spam hielt sich noch in Grenzen und war größtenteils einfach gestrickt und es gab sowieso nur wenige Seiten, die regelmäßig relevante Infos enthielten und damit einen Newsletter als Service-Angebot. Da konnte man wirklich leicht Erfolge mit einer elektronischen Massenaussendung erzielen… Doch heute ?

Ich denke, es gibt kaum jemanden, der nicht einen Spamfilter verwendet, egal ob bei Gmail, GMX und sonstigen Online-Anbietern, wo man sich nicht mal groß darum kümmern muss, oder zuhause am eigenen Rechner in Outlook, Mail, Thunderbird und dergleichen. Es geht auch gar nicht mehr ohne. In letzter Zeit schwirrt bei mir regelmäßig ein Spam-Email herum und landet im Posteingang, dass prompt Auszüge aus Texten enthält, die mit regulären Presseausendungen vergleichbar sind. Da ich auf diese aufgrund eines Online-Projektes angewiesen bin und das Risiko von Fehlern quasi nicht eingehen kann, ist eine Filterung dessen fast unmöglich. Zwar läuft nun, wie man dem vorigen Beitrag entnehmen kann, wieder SpamPal (erfolgreich) auf meiner Kiste, aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sich neue Schlupflöcher finden oder die Ähnlichkeit zwischen Spam und seriöser Nachricht kaum noch zu erfassen ist.

Eigentlich ist es egal, ob Dr. Web seinen Newsletter aus mangelndem Erfolg, aufgrund einer Neuorientierung des Seitenkonzeptes bzw. Alternative-Projekten (Smashing Magazine) oder einfach aus Langeweile über Bord geworfen hat. Ein wichtiger Kern bei dem Ganzen bleibt übrig: und zwar der, dass sich ein Newsletter nur noch dann lohnt, wenn er tatsächlich etwas bietet, dass man nicht schon kennt. Und wer viel im Netz unterwegs ist, der weiß aus eigener Erfahrung, dass man diese oder jene Nachrichten, Hinweise, Ideen und dergleichen meist schon zigmal vorher wiederum auf anderen Webseiten gelesen hat. Dr. Web hat aufgrund seines Inhaltes sowieso zu kämpfen - Beispiel CSS. Die Masse an Blogs, die sich rund um CSS, das richtige Design, freie Templates und so drehen, sind mittlerweile kaum überschaubar. Jeden Tag poppen neue Seiten auf, bieten noch mehr Infos, noch mehr Ideen und verschwinden dann meist genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Ähnlich die CSS-Galerien, die ja fast zu einem Hype geworden sind. Tolle Ressourcenquellen, gar keine Frage - aber mehr als 100 ? Die noch dazu alle in unterschiedlichen Intervallen mehr oder weniger von sich gegenseitig abschauen ?

Schon als Seitenbetreiber selber hat man es heute schwer, in der Flut an Konkurrenzblogs zu bestehen bzw. zu einer größeren Masse an Usern zu kommen. Als kleiner, dezenter Newsletter steht man praktisch am verlorenen Posten. Und wagt man mal zuviel… nun, eine Abmahnung flattert einem schnell ins Haus oder ähnlich schlimm - man landet irgendwo auf einer Blacklist. Die Regeln, die man bei einem Newsletter einhalten muss, sind fast schon undurchsichtig und unüberschaubar geworden - denn genauso vielfältig wie Webseiten selber, sind die Meinungen über den richtigen Aussendetag und -Uhrzeit, HTML oder Text, Grafiken, Schriftfarbe und Wortwahl, lokal oder vom Server, gleiche Aussende-Adresse, Eintrag in Whitelists, usw.

Der Aufwand, den man bei einem umfangreichen Newsletter hat, steht eigentlich nicht mehr wirklich im Verhältnis zum Erfolg. Er vermittelt einem eher selber ein gutes und professionelles Gefühl, dass man einen extra Bonus und Service seinen Usern anbietet und zudem vermittelt "ich bin Up-to-date". Aber ob es nicht sinnvoller ist, einfach guten Content anzubieten, auf den richtigen Seiten verlinkt zu sein, auf bunte Werbebanner zu verzichten und einfach regelmäßig News zu veröffentlichen… ?

Es hat ein großes Massensterben eingesetzt im WorldWideWeb - sowohl bei den Newslettern als auch bei der Langlebigkeit der Blogs. Willkommen im Jahr 2008, willkommen in der neuen, schnell Zeit! Projekte die heute noch Top sind, sind morgen völlig uninteressant. Der Web 2.0 Hype hat es gezeigt: unzählige Online-Anwendungen mit Ajax-Features und dergleichen überschwemmen das Netz und öffnen neue Türen, aber sogar sie gehen auch schon wieder in der Masse ihrer selbst unter.

Die Alternative RSS. Eigentlich die kleine, noch greifbare Türe für den Erfolg und äußerst sinnvoll. Die Erfahrung in meinem Umkreis jedoch zeigt aber auch, dass normale User, und damit meine ich jetzt mal die ganzen Anderen, die kein Blog selber betreiben (soll es ja noch irgendwo geben angeblich), kaum wissen, was man mit diesem RSS-Feeds überhaupt machen kann. Netvibes, Pageflakes und ähnliche Angebote können oder könnten hier "Aufklärung" schaffen - aber sogar hier gibt es ein Problem - denn auch davon gibt es schon wiederum Massen und sogar die ersten OpenSource-Projekte.

Und so wie die Seiten selber verhalten sich auch die User, sie kommen und gehen. Jemanden zu binden und zu einem treuen Leser zu verführen - vergesst es. Die neue Zeit ist da. Das Design, die Features, Newsletter, usw… fast alles ist nicht mehr relevant. Nur noch der Content an sich zählt. Und sogar der ist überall schon ein Level höher geworden. HTML, CSS und so weiter - wer mit diesem Thema ein Blog demnächst eröffnen will, ist um ca. 2-3 Jahre zu spät dran. Und wer einen Newsletter plant - lasst die Finger davon. Schreibt lieber den wichtigsten Leuten oder Plattformen ein direktes, persönliches Mail, wenn es mal ein größeres Update oder News gibt.

Zum Abschluss: die Thematik mit dem Newsletter ist jetzt vor allem für kleine, private Blogger und Co. gedacht - Firmen hingegen sollten auf ein solches Marketingwerkzeug nicht unbedingt verzichten, wenngleich jedoch eine Säuberung der Abonnenten-Bestände sicherlich empfehlenswert ist - weniger ist manchmal mehr und zielgerichteter.

Ich selber habe mein eigenes Newslettersystem gestern vom Server gelöscht, auch bei zwei anderen Projekten. RSS-Feeds werden natürlich angeboten, vielleicht starten sie ja doch noch mal so richtig durch in der breiten Anwendermasse, aber noch wichtiger ist - regelmäßig und sauber geschriebene Texte zu veröffentlichen.

Übrigens - sogar hier ist schon der erste Fehler… denn der Eintrag hier ist zu lange - welcher User hat denn heute noch Zeit, soviel zu lesen? In der Zeit hätte er ähnliche Texte doch schon dreifach woanders lesen können. Ade schöne, alte Welt… Seufz. Was denkt ihr - zahlt sich ein Newsletter noch aus - liest sie jemand von Euch ernsthaft ? Oder sind sie bzw. werden sie auch für Euren Surfalltag nebensächlich?

Persönliche RSS-Tool-Empfehlung (auch für Anfänger): Netvibes.com

If you enjoyed this post, please consider to leave a comment or subscribe to the feed and get future articles delivered to your feed reader.

Comments

Ich glaube nach wie vor an Newsletter. Aber nur an gut gemachte. Klar macht das Arbeit, aber die lohnt sich. Ich baue dieses Jahr mein Newsletter-Engagement aus. Und ich arbeite an einer Formel, nach der man die Effizienz (wenig Aufwand - viel Nutzen) von Newslettern berechnen kann. Und genauso auch die Ineffizienz von schlecht gemachten. Dr. Web zu schließen wäre nicht nötig gewesen, wenn die Technik gestimmt hätte. Übrigens gibt es eine Reihe von Unternehmen, die ebenfalls ziemlich genau ausrechnen, warum sie was machen. Und die kommen zu ähnlich positiven Ergebnissen. Nur reden die Erfolgreichen nicht so groß drüber, damit die Mitbewerber glauben, Newsletter seien tot. Und Mitbewerber ist heute jede E-Mail im Posteingang, die versucht, ein Quentchen Aufmerksamkeit zu erheischen.

Ich glaube schon auch an Newsletter - nur das Problem ist, dass sich der kleine DAU-Blogger von nebenan kaum mit den näheren, marketingspezifischen Einzelheiten beschäftigt - sondern die schicken einfach nach Lust und Laune aus.

Effekt ist, dass für den User ein Newsletter immer öfter zu einem schlichtem Aha-Effekt führt - zudem, und hier spielt die Komponente Mensch mit, ist es ja auchs so meistens, dass der User lieber ein Mail löscht oder gleich einfach als Spam (Yahoo, GMX, usw…) meldet, als den Abmeldelink zu bestätigen. All dies führt dann wiederum dazu, dass man als Versender schnell mal auf der schwarzen Liste landet.

Für größere Firmen zahlt es sich auf jeden Fall aus. Für Private nur dann, wenn es sich um seltene, außergewöhnliche Aussendungen handelt - und sich selbst auch garantieren können, nicht aus Versehen jemanden zu mailen, der keine Zustimmung erbracht hat und auch noch zufällig eine Anwaltskanzlei hat. Zudem können kommerziell Orientierte meist auch auf einen professionellen Newsletter-Anbieter/Provider zurückgreifen und nicht so wie der private User auf die löchrige OpenSource oder Outlook-Variante von daheim. Als Webseiten-Betreiber ist man auch verpflichtet, ein gewisses Maß an Datenschutz zu gewährleisten - wenn man sich so umschaut, wo und wie diese ganzen Empfängerlisten (oft einfache, öffentlich zugreifbare Textdateien am Server, erfassbar für jeden Robot oder nur mit Standardpasswörtern gesichert) liegen, dann braucht man sich nicht wundern, wenn es da und dort mal “kracht”.

Ich denke der richtige Mix liegt in der Webseite selber, der Kampagne an sich, einbinden der User/Kunden sowie die Mischung aus gezieltem Newsletter an speziellen Empfängerkreis, RSS-Feeds und dem Netzwerken mit anderen. Der Private fährt ohne finanziellen und abgesicherten Background mit RSS besser - nur hier fehlt leider noch die Annahme der Normal-User.

Aber die Probleme für den nichtsahnenden User liegen leider auch noch in solchen Dingen, die einem Newsletter auch durchaus ungenießbar machen können: http://www.eisy.eu/obi-spam-aufgetaucht/

Hier übrigens noch ein sehr interessanter Post von Kyle, der selber zum Spammer wurde - ungewollt: http://warpspire.com/tipsresources/web-publishing/hi-my-name-is-kyle-neath-and-im-a-spammer/

Einen Kommentar hinterlassen

(notwendig)

(notwendig)