Firefox mit MS-Mentalität ?

Nun gut. Es ist also soweit. Firefox beginnt bei mir immer mehr an Boden zu verlieren. Nein, ich muss sogar sagen, dass sich sowas wie eine gewisse Ablehnung einschleicht, die ist allerdings eher den fanatischen Vertretern von Firefox-Anhängern zu verdanken. Aber generell - Firefox hält an dem Weg alias Microsoft unverändert fest - etwas, dass mir tatsächlich unverständlich ist. Der Geschmack des feurigen Fuchses ändert sich verdächtig zu einer anderen Form von Joomla. Zuviel, zu groß, zu chaotisch und mittlerweile - wer hätte sich das gedacht - zu träge.

Auf Heise.de war vor wenigen Tagen ein sehr interessanter Artikel über die neuen Ziele der Mozilla-Gruppierung. Und die waren sehr enttäuschend für mich. Anstatt, wie auch in zahlreichen, dortigen Kommentaren zu lesen, sich auf den Hauptkern zu konzentrieren, das Grundgerüst weiter zu optimieren - die grundlegensten Standardplugins zu integrieren und sich mit dem PopUp-Problem zu befassen, denkt man allen Ernstes daran, das Logo zu erneuern…

Ein breitangelegtes Marketing-Programm ? Das Icon präsenter am Desktop platzieren ? Vielleicht am besten noch ohne Abwahl-Möglichkeit diverse Toolbars bei der Installation gleich mitintegrieren! Gefühlsmäßig beginnt genau das, was sich bei Joomla (Mambo) und anderen, ursprünglich großartigen Open-Source-Projekten vor kurzem abgespielt hat.Irgendwann beginnt alles zu kippen. Plötzlich stehen nur noch neue Features an, noch mehr und mehr Plugins - am besten in dutzenden verschiedenen Versionen, diese und jene Zusatzpackete und noch mehr und umfangreichere Optionen… damit es ja unbedingt mehr zu bieten hat als ein MS-Produkt. Nur das geht in die völlig falsche Richtung…

Der Erfolg von Firefox anfänglich war vor allem der, dass der liebe Fuchs einfach um etliches schneller war als der alte IE. Außerdem zuerst Tabs unterstützte - heute quasi ein Pflicht-Feature eines jeden Browsers. Schnell, leicht, problemlos, erweiterbar. Mehr Effizienz beim Surfen. Das waren die Merkmale… ich selber habe mittlerweile eine unzählige Anzahl an Browsern installiert und muss ein eher nüchternes Fazit ziehen. Der IE7 ist wesentlich besser geworden als gedacht, auch wenn sich viele nicht mit dem Design anfreunden können.

Firefox wurde und wird fetter und träger, läuft langsamer an - die vielen Plugins sind zwar schön und gut… aber mal ehrlich braucht man die wirklich alle ? Mausgestiken und Co. ? Dazu gibt es das ultra-leicht Freeware-Tool StrokeIt - das funktioniert nämlich für das komplette Windows bzw. alle Anwendungen und nicht nur für den Browser. Aufsätze zum runterladen von YouTube-Videos, Online-Radio, Verändern von Websites und dergleichen gibt es für IE auch mit dem kostenlosen IE7Pro-Plugin, dort lassen sich sogar auch selber Zusätze programmieren.

Aber bevor jemand glaubt, ich bin ein IE-Surfer - der irrt sich. Meine persönlichen Favoriten sind TheWorld-Browser, denn der ist echt verdammt schnell und bietet dennoch einen vollständigen Funktionsumfang und aus einer etwas anderen Schmiede - wer hätte es gedacht: K-Meleon. Beide haben eindeutig die Nase vorne und sind qualitativ auf gleichem Niveau zu den Großen. Aber - es gibt noch viele, viele andere… Und eigentlich mag ich ja Firefox.

The World Browser

Die große Alternative Firefox. In Gesprächen und Diskussionen in diversen Foren folgen fragwürdige Kommentare oder “Hilfestellungen”, wenn sich ein verzweifelter User mit einem IE-Problem rumschlägt. Die Antwort: “Naja, kein Wunder… Mikroschrott. Der beste, ich sags Dir, ist der Firefox, Du musst umsteigen. Du kannst ihn hier und hier und hier runterladen.” Großartig. Der User wird sich über diese unglaubliche Unterstützung und Lösung freuen. Aber das viele in Firmen ihren Browser gar nicht switchen können, dass der Normal-User-Ich-bin-Hausfrau keine Ahnung hat, wie man so ein Ding installiert oder womöglich gar nicht die Berechtigung dazu hat - auf die Idee kommt niemand anscheinend… aber man trottet halt einer Massen-Religion einfach nach. Entweder ich helfe vernünftig (Stichwort Open Source und Gemeinschaft der User) oder lasse es bleiben!

Verhasst sind mir mittlerweile Webseiten, die einem als erstes “Diese Seite wurde für Firefox optimiert. Ihr Browser unterstützt leider….” und mit der abschließenden Aufforderung “Laden Sie sich hier den besten Browser unter der Sonne….”.

Hallo - was soll das ? Ich möchte problemlos surfen, meine lieben Kollegen - und nicht ständig gezwungen werden, mir einen anderen Browser zu installieren, nur um ein paar Webseiten zu betrachten. Das erinnert mich an MS… “Um dieses Produkt zu verwenden, müssen Sie vorher dieses Update und diesen Zusatz und diese Zustimmung und…. installieren und bestätigen.” Gerade die Anhänger von freier Software sollten ihr Wissen und ihr Seiten auch Menschen zugänglich machen, die aus welchen Gründen auch immer - KEINEN Firefox installiert haben. Sonst wird das Grundkonzept sogar von FF selber ad absurdum geführt.

Kopfschütteln löst bei mir auch die permanente Empfehlung bei Diskussionen aus. Sobald jemand vorsichtig nach einer Alternative fragt, bekommt er zumeist das Stichwort “Firefox” zu hören. Obwohl die meisten User nur Leicht-Nutzer sind und mit Plugins nichts anzufangen zu wissen, klatscht man ihnen monoton den Fuchs vor. Wen man aber mal genauer nachfragt - kaum jemand von den Firefoxianern hat tasächlich ernsthaft andere, eher unbekannte Browser getestet. Meistens gerade mal von IE auf FF geswitcht, das war´s dann aber auch schon. Sind aber dann schwerstens begeistert und plötzlich überzeugte Anhänger einer neuen Religion, so auf die Art, als ob sie eh noch nie etwas anderes verwendet hätten. Genau.

K-Meleon Browser

Liebe User - schaut selber über den Tellerrand - nehmt Google oder eine sonstige Suchmaschine und schaut mal rum, was es alles so an Browsern gibt. Und überlegt Euch genau, welche Features ihr wirklich braucht. Das Hauptaugenmerk bei mir ist die Schnelligkeit und Qualität. Viele der Alternativ-Lösungen basieren auf dem IE- oder FF-Kern und verwenden deren Engine… dadurch gibt es auch bei der Darstellung von Webseiten so gut wie keine Abstriche bzw. Probleme. Nur weil alle von IE und Firefox reden, heißt das noch lange nicht, dass es die Besten oder auch die “Richtigen” sind.

Und Anhänger, die monoton ihre Religion runterbeten, ohne kritische, sachliche Fragen zuzulassen (etwas, was ja eigentlich der Verbesserung und Optimierung dient - wird scheinbar gerne vergessen), die den kleinen Usern beim surfen “vorschreiben”, welchen Browser sie zu verwenden haben, die bei Hilfestellungen nur eine einzige Lösung kennen und jede Schwachstelle des Browser als Feature darstellen, die Alternativen prinzipiell abschmettern und über andere Produkte oder Ansätze nur mit Hohn reagieren - lasst Euch eines gesagt sein: Open Source war und ist die Idee von freiem Zugang, gemeinsamer Weiterentwicklung und Verbesserung, freier Entscheidung und Auswahl und… Vielfältigkeit. Und dies wird mittlerweile regelmäßig mit Füssen getreten. Schade eigentlich.

Zum Abschluss noch der Satz von Heise.de: “Außerdem arbeiteten die Entwickler an einer “unmissverständlichen Warneinblendung” für Firefox-Nutzer, die auf “gefährliche Webseiten” gehen”…

Wird auch das eine Funktion, die dann standardgemäß aktiviert ist ? Will ich das ? Viele Einfach-User werden sich freuen, aber andererseits… man will mir mit integrierten Blacklists vorschreiben was gut und falsch ist ? Noch ein Extra-Feature mehr. Noch mehr ständige Updates beim starten des Fuchses ? Wenn es so weiter geht, dann wird ein IE wieder an Boden gewinnen - oder eben einer der anderen Browser.

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Comments

Daß Internetseiten Firefox-optimiert werden finde ich richtig, da Firefox sich stärker an Web-Standards hält als der IE.
Firefox 3.0 soll angeblich den Acid-Test bestehen.
Ich browse schon seit 7 Jahren mit Mozilla-Produkten und bin sehr zufrieden damit. Die ganze “Firefox-zu-überladen” Stimmung, die momentan aufkommt, ist meiner Meinung nach schwach begründbares Bashing.
Welche Features haben denn den Firefox aufgebläht in den letzten Jahren?
Firefox 3.0:
“Die wesentlichen Neuerungen wie eine hardware-beschleunigte Darstellung von Webseiten oder einer überarbeiteten Rendering-Engine…”
http://archiv.chip.de/news/c1_archiv_news_17375273.html

Das prinzipiell schon - auch gut so, wenn Standards auch in der Webwelt Einkehr halten. Aber Webseiten, die als Grundsatz voraussetzen, dass man erstmal Firefox installiert zum betrachten - das ist nicht ok und entspricht auch nicht dem eigentlich Geist des FF.

Man muss natürlich abwarten, wie die neue Version laufen wird. Wenn es richtig gemacht wird und vor allem wieder schneller wird (auf Windows-Kisten jetzt bezogen), dann wäre es in Ordnung. Aber ansonsten gibt es einfach zuviele Alternativen, die auch ähnliche Features haben, aber denoch wesentlich schneller und genauso stabil laufen. Der Mozillakern selber ist gut, sehr gut und auch Grundlage für etliche Alternativ-Browser. Nur FF möchte anscheinend die Features von IE immer wieder übertrumpfen - und da liegt die Gefahr, dass sich der Fuchs immer mehr überladet und ins Wanken gerät. Weniger ist eben mehr.

Joomla ist ein gutes Beispiel. Anfänglich kleines, schnelles sauberes Ding - dann kam die Massenflut an Zusätzen, Veränderungen, versch. Versionen… eine Sicherheitslücke nach der anderen, grundlegende Core-Änderungen wurden stattdessen nur schleppend in Angriff genommen, usw… in der Zischenzeit haben die anderen CM-Systeme wieder aufgeholt.

Firefox ist generell eine gute Alternative, aber eben nicht die Einzige am Thron, wie es so gerne dargestellt wird.

*Ich glaube ich sollte mal den gestreiften Hinergrund ändern - da hauts einem die Augen aus. =)*

Jo, die Gefahr ist auf jeden Fall vorhanden, aber mit den Zielen für Firefox 3.0 scheinen sie auf dem richtigen Weg zu sein.
Man darf auch nicht vergessen, daß es noch andere Betriebssystem gibt. Die angesprochenen Alternativen sind Windows-only.
(Habe seit 2003 nur noch Linux auf der Festplatte).
Aber natürlich gibt es auch hier Programme wie Konqueror oder Opera.
Frage mich allerdings gerade wie’s bei Mac aussieht.

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